Manifest

Die Ethnomykologie untersucht die Stellung der Pilze in Gesellschaften: das Wissen über sie, ihre Verwendung und die Vorstellungen, die mit ihnen verbunden sind.

Die Ethnomykologie entwickelte sich Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem eigenständigen Forschungsgebiet. Die Arbeiten von Valentina P. Wasson und R. Gordon Wasson, insbesondere ihr 1957 veröffentlichtes Werk Mushrooms, Russia and History, trugen wesentlich dazu bei, das Fachgebiet bekannt zu machen. Ihre Forschungen verglichen die Beziehungen verschiedener Gesellschaften zu Pilzen, insbesondere die als mykophil und mykophob bezeichneten Haltungen, und befassten sich zugleich mit den in Mexiko beobachteten rituellen Verwendungen von Pilzen.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde die Ethnomykologie aufgrund der in Mexiko durchgeführten Forschungen und ihrer internationalen Verbreitung häufig mit der Untersuchung psychoaktiver Pilze verbunden. Diese Sichtweise erfasst jedoch nur einen Teil des Fachgebiets. Die Ethnomykologie untersucht umfassender das Wissen, die Verwendungen und die kulturellen Vorstellungen, die in verschiedenen Gesellschaften mit Pilzen verbunden sind.

Seit den 1970er-Jahren hat sich die ethnomykologische Forschung im Zusammenhang mit der Ethnobiologie, der Anthropologie, der Geschichte, der Ökologie und weiteren Disziplinen entwickelt, die sich mit den Beziehungen zwischen Gesellschaften und der belebten Umwelt befassen. Gegenstand der Forschung sind unter anderem lokale Wissensbestände, volkstümliche Klassifikationen, Sammelpraktiken, kulinarische und medizinische Verwendungen sowie die Weitergabe dieses Wissens.

Heute untersucht die Ethnomykologie die vielfältigen Beziehungen zwischen Pilzen und Gesellschaften. Sie stützt sich auf biologische, historische, anthropologische und ethnografische Forschungen, um die Stellung der Pilze in verschiedenen Kulturen besser zu verstehen.

Die 2026 gegründete Société ethnomycologique de Genève ist in diesem Forschungsgebiet tätig. Sie hat zum Ziel, Menschen zusammenzubringen, die sich für Ethnomykologie interessieren, und den Austausch, die Dokumentation, die Forschung und die Weitergabe von Wissen zu fördern.